Eva Petrič FEAT. HAYATO NAKAO
LULLABY E@MOTION TRIPTYCH, 2026 • TONSPUR 1
LULLABY E@MOTION TRIPTYCH
CURATED BY THOMAS MIESSGANG
TONSPUR FÜR EINEN ÖFFENTLICHEN RAUM 2026

Lullaby E@motion Triptych ist eine dreiteilige Klangkomposition, die nichtlineare Musik mit einem linearen Vokalnarrativ verbindet. So verwandelt sie den Archetyp des Wiegenlieds in eine zeitgenössische Meditation über die historische Gefühlsentwicklung der Menschheit. Die einzelnen Teile thematisieren jeweils eine Stufe in dieser emotionalen Transformation: Earthling’s Lullaby (Des Erdlings Wiegenlied) – der Ursprung: eine Blaupause dessen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, noch mit der Erde zu atmen, im Einklang mit unserem gemeinsamen Puls zu sein.
Cryonic Lullaby (Kryonisches Wiegenlied) – der Übergang: unsere Gefühlswelt kühlt ab, weil die Technik vor unsere Empfindungen tritt, es ist der Augenblick, in dem die Wärme der Kontrolle weicht.
Vitrified Lullaby (Vitrifiziertes Wiegenlied) – die Folgen: die Menschheit als emotionales Fossil, ein schöner, aber fragiler Nachklang dessen, was einst ganz lebendig war.
Ausgehend vom zeitlosen Wiegenliedritual mit seiner einfachen Melodie, mit einfachem Rhythmus und Wiederholung fragt das Werk: „Wie lange gibt es überhaupt Wiegenlieder noch? Wird es einst ein allerletztes Wiegenlied geben?“ Wir leben in einem Bruchteil der Unendlichkeit, und sind wie Schmetterlinge, die einen Tag lang flattern und glauben dennoch, es sei für immer.
Lullaby E@motion Triptych verwebt wissenschaftliche Fakten, die menschliche Stimme und elektronische Klänge zu einem Raumpoem über die Zerbrechlichkeit des Jetzt, den Rhythmus des Atmens mit der Erde und die Hoffnung, Wiegenlieder möge es so lange geben wie unsere Gefühle.Drei Klangschichten überlagern sich zu einem Triptychon, dessen Kombinationen sich nie wiederholen. Im Gegensatz dazu bildet der Gesang eine lineare Erzählung mit Anfang und Ende. Das in der TONSPUR_passage in Wien präsentierte Werk verwandelt den Durchgang im MQ in einen Inkubator für Emotionen.
Jim Morrison schrieb einmal: „Solange es Menschen gibt, solange wird es Poesie geben.“ Ich möchte einen Schritt weiter gehen und fragen: „Wird es, solange es Gefühle gibt, auch Wiegenlieder geben?“ Wir befinden uns an einem Wendepunkt, verändern uns mit unserem Planeten – unsere Gefühle entwickeln sich parallel zu den Technologien, die wir erfinden. Wir leben zwischen Gedächtnis und Algorithmus, zwischen Herzschlag und Computercode. Und doch: Solange noch eine menschliche Stimme leise in die Nacht summt, solange wird das Wiegenlied, unser ältestes Fürsorgeritual, bleiben.
Eva Petrič, geboren 1983 in Kranj in Slowenien, lebt und arbeitet in Wien, New York City und Ljubljana, Slowenien.
TONSPUR I
EVA PETRIČ FEAT. HAYATO NAKAO
LULLABY E@MOTION TRIPTYCH
CURATED BY THOMAS MIESSGANG
TONSPUR FÜR EINEN ÖFFENTLICHEN RAUM 2026
8-Kanal-Klangarbeit, 7-teilige A1-Bildstrecke • Länge 19’42“ • KonzKonzept, Text, Stimme, A1-Bildstrecke Eva Petrič • Kurator Thomas Mießgang • Tonmischung, Installationseinrichtung Peter Szely • Produktion TONSPUR Kunstverein Wien • künstlerische Leitung Georg Weckwerth • besonderer Dank gilt den Wissenschaftlern und Astronauten Buzz Aldrin, Ron Garan, Stephen Hawking, Carl Sagan, deren Worte aus der Textcollage von Teil 1 „Earthlings’ Lullaby“ dieser dreiteiligen Klangarbeit stammen.
Eröffnung • So 22.02., 17:00 Uhr
TONSPUR_passage | Micro Museum for Sound
23.2.–25.4.26
täglich 10–20 h

