TONSPUR für einen öffentlichen raum
Klangarbeiten im MuseumsQuartier Wien
Ein Projekt von Georg Weckwerth und Peter Szely


TONSPUR 76
Karen Werner [US]*
HAUS, part I: Covenant of the Tongue, 2017
8-Kanal Klangarbeit, 7-teilige Bildstrecke, Radioarbeit
Dauer 18:00 min
Konzept, Aufnahmen, Komposition: Karen Werner
Stimmen: Hermine Jira, Yuval Katz-Wilfing, Karolina Konopka, Natalia Kubica,
Agata Leżuch, Paweł Mendrek, Patrycja Modrzyńska, Gabriela Palicka,
Agata Pawlik, Karen Werner, Hanna Woźniak, und der
Sprechchor geleitet von Bruno Pisek
Produktion: TONSPUR Kunstverein Wien für die Serie
TONSPUR für einen öffentlichen raum
In Zusammenarbeit mit ORF Kunstradio, ORANGE 94.0, MAG3
Besonderer Dank an Dr. Domagoj Akrap, Dr. Felicitas Heimann-Jelinek,
Dr. Philipp Mettauer, Paweł Kamiński, Yuval Katz-Wilfing, Bruno Pisek,
Georg Salner, Anna Maria Tatu (Supersense), Susanne Uslu-Pauer, Marion
Werner, Irma Wulz, ElisabethZimmermann.
*66. TONSPUR-Artist-in-Residence im Q21/MQ





04.12.17–24.02.18
TONSPUR_passage / Q21/MQ Wien
Museumsplatz 1, 1070 Wien
Täglich 10–20h
Eröffnung: So 03.12.2017, 17h
Einleitende Worte:
Georg Weckwerth [Künstlerischer Leiter TONSPUR Kunstverein Wien]
Felicitas Heimann-Jelinek [unabhängige Kuratorin] – lesen






HAUS, PART I: COVENANT OF THE TONGUE
Ausgangspunkt von Karen Werners „HAUS“, Part I: „Covenant of the Tongue“ ist eine Recherche über das Haus ihrer Familie in der Novaragasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Über Jahrzehnte lebten Werners Urgroßeltern, Großeltern gemeinsam mit vielen Verwandten in diesem Gebäude. 1939 konfiszierten es die Nazis als eines jener „Judenhäuser“, die auch unter dem euphemistischen Namen „Sammelwohnungen“ bekannt waren, weil viele jüdische Familien dorthin zwangsumgesiedelt wurden, bevor sie die Nazis in Konzentrationslager deportierten. Allein aus dem Haus in der Novaragasse wurden 221 Menschen deportiert und ermordet. Eine Hellseherin erzählte Werner unlängst, auf dem Haus laste ein Fluch.
Um sich gegen all die Zerstörung und Gewalt, die die Aggressoren gegen mehrere ihrer jüdischen Familienmitglieder sowie andere Menschen im Haus wandten, zur Wehr zu setzen, wendet sich Werner an die Kabbala, die jüdisch mystische Tradition. Dort findet sie nicht nur einen Quell tiefgründiger und radikaler Kreativität, sondern auch Wandlung und die Selbstbestimmung, sich den Wurzeln der Welt- und Bewusstseinserzeugung, der Phantasie und der Kunst zu widmen. Werner zitiert einen alten jüdischen Grundtext der Kabbala, das „Sefer Jetzira“. Dort geht es um die Macht von Atem, Buchstaben und Wort, die Welt zu gestalten. Spezielle Singmeditationen erlauben es, die Elemente des Lebens durch Vibrationen zu ergründen. Durch Permutation der gesungenen Buchstaben meißelt und ziseliert man die Luft. Die Gesänge sind ein sinnlicher, zutiefst kreativer Akt, als dessen Portal der Mund dient.
„HAUS“, Part I: „Covenant of the Tongue“ beinhaltet die Psalme 34 und 121, die den Seelen im Haus Frieden spenden sollen. Das ganze Stück hindurch singt Werner Meditationen aus dem „Sefer Jetzira“, von denen einige nachts direkt im Haus in der Novaragasse aufgenommen wurden.
„HAUS“, Part 1: „Covenant of the Tongue“ ist die sechste Episode von Werners siebenteiligem Radioprojekt „Strange Radio“, das Fragen des Exils, der Trauer, des Fremden und des Holocaust-Gedenkens in Wien thematisiert. „HAUS“, Part II: „Zirkus“ wird im Zentrum einer Gruppenausstellung in der Galerie MAG3 in Wien stehen, die am 23. Februar 2018 eröffnet.


BIOGRAPHIE
Karen Werner, geboren 1967 in Pittsburgh PA, USA, lebt und arbeitet in Montague MA, USA. 66. TONSPUR-Artist-in-Residence im Q21/MQ.
karenwerner.net












Bundeskanzleramt Kunst


TONSPUR 76 PASSAGENGALERIE
Gestaltet von Karen Werner